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Nass aber glücklich

Das Martinstiftungssegeln 2017

Herzhaft biss sie in die heisse Bratwurst. Mit der rechten Hand umklammerte sie einen warmen Becher, in dem ihr vorher Tee eingeschenkt wurde. Sie schaute sich kurz um, winkte einer Kollegin am anderen Tisch zu und begann dann zu erzählen. „Es hat so fest geregnet, dass meine Hosen sofort nass wurden!“ Das gehöre halt zum Segeln dazu. Eine halbe Stunde zuvor sassen die meisten, die nun zufrieden ihre Wurst assen, auf Segelschiffen, mitten auf dem Zürichsee. Im Gegensatz zu letztem Jahr hatte es diesmal Wind. Dieser wurde allerdings von starkem Regen begleitet. Die Motivation auf den See zu gehen, war bei den meisten Teilnehmern aber trotzdem gross.

Getroffen hat man sich am Samstag, 9. September 2017. Zehn Boote standen bereit für eine kleine Nachmittags-Ausfahrt. Geregnet hat es seit dem Morgen und es sah auch nicht nach einer Aufhellung aus. Die Erfahrung zeigte aber, dass die Bewohner der Martinstiftung sich auch von solchen Wetterverhältnissen nicht abschrecken lassen. Pünktlich um 14 Uhr stand dann ein anschauliches Grüppchen im Club. Man blickte gespannt zu den vielen Booten, die am Steg angebunden waren. Nach einigen Informationen verteilten die Skipper Schwimmwesten. Einige Passagiere hatten keine Regenhosen dabei; Improvisation war angesagt. Am Ende fand sich für alle eine Lösung, sei dies mit Ersatzhosen, Ponchos oder übrige Schwimmwesten, die über die Beine gelegt wurden.

Wenig später legten die Segelschiffe nach und nach vom Steg ab. Bei den meisten blieben die Segel eingepackt – der Motor reichte vielen Passagieren aus für eine kleine Ausfahrt. So tuckerten einige Segelschiffe Richtung Erlenbach, wo die Bewohner ihre Martinstiftung vom See aus begutachten konnten. Detailliert wurde erklärt, wer in welchem Stock wohnt und welches Fenster zu welchem Raum gehört. Hätte man aus diesen Fenstern auf den See geschaut, man hätte sich wohl am Kopf gekratzt und gefragt: „Was um Himmels Willen machen diese Segelschiffe bei diesem Hundswetter auf dem See?“ Immer wieder kreuzten sich die Boote, was Gelegenheit gab, um sich zuzuwinken und zuzurufen. Ab und zu flitzte der „Schluuch“ mit Kapitän Bruno und seiner Crew vorbei – dann posierte man auf den Schiffen für Fotos. Nach einiger Zeit wurde wieder Kurs Richtung SYH genommen und die Boote legten wieder am Steg an. An Land loderte im Cheminée bereits ein wärmendes Feuer und auf dem Grill lockten feine Bratwürste. Schnell waren die Bänke gefüllt mit hungrigen Passagieren und Skippern.

Hier sass sie also, mit der Wurst in ihrer Hand und schaute dem Treiben zu. Auch die anderen erzählten, wie es ihnen ergangen waren auf den Schiffen – mitten im See in strömendem Regen. Die meisten waren nicht zum ersten Mal am Martinstiftungsegeln und erzählten vom letzten Mal, als die Sonne schien, es aber kein Wind hatte. Wie auch letztes Jahr, wurden nach der Bratwurst Cremeschnitten serviert, die der Segelclub Erlenbach spendiert hatte. Dafür gab’s natürlich Applaus. Nach diesem süssen Ende verabschiedete man sich mit den Worten, die jedes Jahr am Schluss fallen: „Bis zum nächsten Jahr.“

Text: Andi Wullschleger